Neugründung
Nachdem im Jahre 1814 Tirol wieder mit Österreich vereinigt wurde, wurden durch ein Edikt von Kaiser Franz I. am 12. Jänner 1816 die Stifte Marienberg, Neustift, Wilten und Stams wieder in ihre Rechte und Besitzungen eingesetzt.
Die Lage für das Chorherrenstift Neustift war insofern sehr schwierig, als ein Großteil der liegenden Güter verloren, die Stiftsgebäude schadhaft, Kirche und Kloster fast ohne Ein-richtung und der Personalstand gering waren. Die Auflagen des Kaisers als Bedingung zur Wiedererrichtung des Stiftes waren sehr hart. Die Gemeinschaft musste sich ver-pflichten, nicht nur die 18 Seelsorgestellen wieder zu besetzen, sondern auch für das k. k. Gym-nasium in Brixen die Lehrkräfte zu stellen. Dies erwies sich vorerst aus den eigenen Reihen als unmöglich, denn in der Zeit der Aufhebung waren 13 Chorherren gestorben, andere wollten nicht mehr zurückkehren und es gab zunächst natürlich auch noch keinen „Nachwuchs“.
Erst ab dem Jahre 1844 wurde das Brixner Gymnasium dann vollständig von den Chor-herren geführt. Dieses „Augustiner-Gymnasium“ erfreute sich eines guten Rufes und wurde bis zum Jahre 1926 geführt. Damals wurde es als staatliche deutsche Schule von den italienischen Faschisten geschlossen und bis Ende der 60er Jahre als Privat-schule in Neustift fortgeführt. Eingerichtet wurde auch ein „Singknabeninstitut“, in dem junge Sänger neben einer guten Allgemeinbildung Unterricht in Gesang und Instrumentenspiel erhielten.
In wirtschaftlicher Hinsicht führte das Stift nach 1816 lange Zeit einen harten Existenz-kampf. Erst unter Propst Ludwig Mair (1832-1851) besserte sich die Lage allmählich und war bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts soweit fortgeschritten, dass 1895/96 die erste umfassende Restaurierung der Stiftskirche durchgeführt werden konnte.
Während des 1. Weltkrieges wurde das Stift immer wieder von Soldaten belegt.
Mit Ausnahme der kleinen Sterbeglocke und der Feuerglocke musste das ganze Neustifter Geläute abgegeben werden und wurde erst 1922 wieder erneuert. Unheilvoller wirkte sich für Neustift der 2. Weltkrieg aus. Nachdem die deutsche Wehrmacht in den Stiftsge-bäuden militärische Magazine und eine Druckerei eingerichtet hatte, wurde Neustift am 23. März 1945 Ziel eines Bombenabwurfs der Alliierten. Dabei wurden vor allem die Nordseite der Stiftskirche, die Sakristei, der Turm und die Gnadenkapelle beschädigt. Die letzten Bombenschäden des Krieges wurden durch die Restaurierung im Jahre 1982 unter Propst Chrysostomus Giner beseitigt.